Geschichte

Zeitreise des REbbergs esch

Seit mehreren Jahrhunderten wird im Esch Wein angebaut. Die erste bekannte Erwähnung dieser Kultur findet sich in einem Dokument der Gemeinde Stalden vom 19. Mai 1297, was darauf schließen lässt, dass der Escher Weinberg bereits vor diesem Datum bepflanzt wurde.

Alte Karten, insbesondere die Siegfried Karte vom Ende des 19. Jahrhunderts, zeigen die Ausdehnung der Weinberge in diesem unteren Abschnitt des Saastals.

Gerne verweisen wir an dieser Stelle auf das Produkt «Zeitreise – Kartenwerk». Mit diesem Link gelangen sie auf die topografischen Karten der letzten 177 Jahre (1844 – 2021). Klicken sie in der oben eingeblendeten Zeitschiene rechts auf den Button mit dem Pfeil. Die Kartenausschnitte der einzelnen Jahre wechseln automatisiert von Jahr zu Jahr. Auf eindrückliche Art sehen sie, wie sich das Gebiet rund um den Rebberg VinEsch im Laufe der Zeit verändert hat.

Anfang des 20. Jahrhunderts sind die Weinanbaugebiete noch deutlich vorhanden, die ersten gut sichtbaren Veränderungen auf den topografischen Karten sind zwischen 1930 und 1940 gut zu erkennen. In dieser Zeitspanne wurde das Anbaugebiet durch die Reblausplage stark dezimiert.

Die Reblaus – Philoxera

Die Reblaus wütete in weiten Teilen Europas zwischen 1880 – 1930 und liess ganze Landstriche kahl zurück. Die Reblaus zerstört die Wurzeln und die Weinstöcke starben ab. Weit ab von den grossen und betroffenen Rebflächen aber überlebten viele alte Sorten. In sehr trockenen Lagen und Ländern mit viel Kies und Sand hatte die Reblaus auch keine Chance. Weltweit entstand eine neue Gesetzgebung. Die Reben durfte nicht mehr vermehrt werden durch Vergruben oder Ableger, sondern nur mehr durch Aufpfropfen auf die amerikanische Unterlage, welche sich als resistent erwies gegen die Reblaus.

So werden die Schosse jeweils im Frühjahr geschnitten und den Rebschulen zum Aufpfropfen zugesandt.

Der Rückgang der Weinberge

Die Arbeit in Fabrikationsstätten ermöglichte vielen Leuten in ärmeren Berggegenden eine regelmässige Einkunft. Dank Schule und Ausbildung fanden die zahlreichen Kinder gute Arbeitsplätze, in der Folge davon fehlten diese jedoch als Arbeitskräfte im Landwirtschaftssektor. Die kraftfordernde Arbeit in den Reben, die Freude und den Anreiz in seiner Freizeit eigenen Wein herzustellen, verlor zusehends an Attraktivität. Ein weiterer Grund zur Aufgabe der Bewirtschaftung von Rebbergen lag am System der Erbteilung. Grosse zusammenhängende Parzellen wurden oft in kleinste Einheiten gesplittet

Das Wallis als grösster Weinbaukanton erkannte die Situation und schaffte eine neue Gesetzgebung zur Abhilfe durch Zusammenlegen von Parzellen. Einerseits entstanden dadurch gewerblich interessante Grössen von Rebbergen und andererseits bewirkte dieser wirtschaftliche Anreiz die Gründung von verschiedenen Kellereien. Rebberge in unwegsamen und schlecht erreichbaren Lagen profitierten zu wenig von diesem Gesetz; sie wurden darum oftmals aufgegeben.

Im Esch - Vinesch

Im Wallis war es üblich, dass höher gelegene Dörfer Rebparzellen in tieferen Lagen nahe dem Talgrund besassen. Die beiden Dörfer Zeneggen und Törbel terrassierten ihre Landparzellen mittels etlicher Trockenmauern. Auf dem Weg hinauf zum Esch begegnet man noch heute einigen Mauerresten aus dieser Zeit.

Früher waren Maultiere ein nützliches und wertvolles Gut in der Landwirtschaft. Lasten von bis zu 120 kg konnten so über längere Distanzen verschoben werden. Dies war die einzige Möglichkeit, um das Traubengut zum Triel in Törbel zu bringen, denn eine Strasse gab es nicht. Die Tiere trugen die Trauben hinauf und im Gegenzug Mist hinunter, den man dann zur natürlichen Düngung der Rebberge einsetzen konnte. Im Esch zeugen zwei recht gut erhaltene Maultierstände von dieser früheren Zeit.

Im Esch war es in den Jahren 1970 bis 1980 ziemlich ruhig geworden. Othmar Zuber aus Törbel, Besitzer der Rebberg-Oase Esch, verbrachte seine Freizeit meist in seinem Rebberg, seine Frau half ihm bei der intensiven Arbeit und nahm den langen Weg auf sich. Die Kinder waren berufshalber in die deutsche Schweiz ausgezogen. Zur Erleichterung der Arbeit im steilen Terrassengebiet, baute Othmar mit seinen Lehrlingen der Lonza eine kleine Transportbahn hinunter in den Talgrund, welche heute noch in Betrieb ist.

Im Rebberg Esch wuchsen verschiedene Rebsorten, die durch den stolzen Besitzer gehegt und gepflegt wurden. Es gab darunter aber auch rote Weinsorten, die weder Othmar noch seine Vorfahren kannten. Zur exakten Bestimmung dieser unbekannten Pflanzen erstellte 1980 der Ampelograf José Vouillamoz DNA-Analysen. Die Ergebnisse waren erstaunlich. Genetischen Analysen zufolge handelt es sich um die vorerst «VinEsch Roter» getaufte Rebe um eine historische Rebsorte, die früher im ganzen Wallis kultiviert wurde. Heute setzt sich der Verein VinEsch unter anderem für den Fortbestand dieser Sorte ein.